Neugewählter Vorstand mit dem LSV-Präsidenten Hans-Jakob Tiessen
    von links Hans-Jakob Tiessen, Uta Kaysal Geschäftstelle, Maren Schümann 2. Vorsitzende, Rainer Schmelter Kassenwart, 1. Vorsitzender Himmet Kaysal,
Ingrid Dieckmann Frauenbeauftragte, Dennis Gründer Allgemeine Vorstandsarbeit, Swen Meyer Lehramt, Rolf Bratzke Öffentlichkeitsarbeit und Dirk Hachmann Schriftführer
am 23.04.2015 Helligenstedten.

Im Mai 1946 gründeten Männer der ersten Stunde 
unseren Kreissportverband


Der Krieg war zu Ende, Deutschland wurde noch überwiegend von den Alliierten verwaltet. In Hessen, Bayern und Würthenberg-Baden wurden die Gemeinderäte erstmals seit 1933 wieder frei gewählt. Das Leben nahm wieder Form an, wenn auch unter erschwerten Bedingungen. Wir schreiben das Jahr 1946. Der Sport in den Vereinen, der auch durch die Kriegswirren nie ganz zum erliegen kam, regte sich wieder und im Kreis Steinburg wagten mutige Männer um "Jac" Buss und Eduard Czekalla mit Vertretern aus 26 Vereinen und einem aufgeschlossenen Sportoffizier der britischen Militärregierung die Gründung unseres Sportverbandes Kreis Steinburg e.V. Die Zeiten waren schwer in diesen ersten Nachkriegsjahren, zur allgemeinen Not traf noch eine Kältewelle die Bevölkerung. Ohne ausreichende Brennstoffe und weniger als 1300 Kalorien pro Tag und Magen musste man über die Runden kommen. Doch ohne den Sport wollte man auch nicht sein. Sportstätten waren Mangelware und erst recht Sportgeräte. Es war die Zeit der Tauschzentralen und irgendwie lief sich mit der Zeit alles zurecht. Sport wurde betrieben, sei es nun draußen auf den mühsam präparierten Sportplätzen oder auf Sälen von Gastwirtschaften oder in ausgeräumten Schulklassen. In einer strukturschwachen Region wie sie nun einmal der Kreis Steinburg ist, war es schon erstaunlich, dass im Laufe der Jahre sich den anfänglich 26 Vereinen stetig neue dem KSV hinzugesellten. 1971 als der KSV auf sein 25-jähriges Bestehen zurückblicken konnte, waren bereits 90 Vereine mit 21.000 Mitgliedern dem KSV beigetreten. Heute betreut der Kreissportverband 155 Vereine mit insgesamt 46.331 Mitgliedern. Eine gesunde Breitenarbeit wurde immer und wird auch heute noch betrieben, wenn sich die Zeiten auch grundlegend geändert haben. Zwangsläufig führte diese Entwicklung auch zu Spitzenleistungen und Ausnahmeathleten in unseren Vereinen. Jürgen Bischoff von Gut-Heil Itzehoe mit mehreren Deutschen Meisterschaften an den Ringen, am Barren und im Bodenturnen ist einer von ihnen. Nicht zu vergessen die Gebrüder Diehl aus der gleichen Riege und Gerd Frähmke von den Leichtathleten. Edda Müller und Heiko Barkowski vom MTV Itzehoe als Vizeweltmeister im Rollsport-Paarlauf sind in guter Erinnerung. Sowie Max Voigt vom Itzehoer SV als Deutscher Seniorenmeister, Hans-Peter Sommer, Heiligenstedten als Deutscher Jugendmeister im Kegeln, Rudi Schönbeck vom ISV 09 als Torwart unserer Fußballmannschaft bei den Olympischen Spielen in Stockholm. Doch allem setzte einer die Krone auf, es war Willi Holdorf vom ETSV Fortuna Glückstadt, der als Krönung seiner Laufbahn bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio zum "König der Athleten" mit dem Gewinn der Goldmedaille im olympischen Zehnkampf belohnt wurde.
Vergessen wir nicht, dass diese Leistungen zwar von den Sportlern erbracht wurden, aber hinter all dem ehrenamtliche Helfer standen und auch heute stehen, die sich selbstlos und mit unermesslichem sportlichen Idealismus allen Problemen stellen. Stellvertretend für alle sei hier nur der langjährige Gauturn- und Kreissportwart Hannes Mecklenburg von ETSV Fortuna Glückstadt genannt, der vom Bundespräsidenten Lübke 1965 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.

Wie im Zusammenleben der Staaten untereinander, so hatte sich auch der Sportverband Kreis Steinburg im Laufe seines Bestehens mit "Grenzfragen" zu beschäftigen. In den Jahren 1947-51 wurde auf Landesebene von den sich inzwischen etablierten großen Fachsparten immer wieder die Auflösung der Kreissportverbände gefordert, ein Kompetenzgerangel um Machtbesessenheit. An den Kreisgrenzen kam aus den unterschiedlichsten Gründen bei einigen Vereinen der Wunsch auf, sich sportlich im Nachbarkreis zu betätigen und "auszuwandern". Auch Steinburg hat so etwas erlebt, der TSV Brokstedt spielte eine Saison im Kreisverband Neumünster Fußball, kehrte aber danach in unseren Kreis zurück. Eine Gebietsreform brachte es mit sich, dass zwischen den Kreisen Steinburg und Rendsburg-Eckernförde Vereine ausgetauscht wurden. Die Schenefelder Vereine, Bokelrehm und Puls kamen zu uns, während der TSV Behringstedt und der TSV Aukrug in den Nachbarkreis wechselten.

Die Nachwuchsförderung der Sportjugend liegt dem Kreissportverband ganz besonders am Herzen. Hier kann auf eine gute Zusammenarbeit mit den zuständigen Gremien der Kommunen zurückgeblickt werden. Viele Ferien- Maßnahmen und Fortbildungen wurden vom Kreissportverband in den zurückliegenden Jahren organisiert und durchgeführt. Doch wie überall im Leben spielt auch im Sport Geld eine immer dominierendere Rolle. Seit im Jahre 1973 die Produktwerbung auf Spielertrikots erstmals erlaubt wurde, setzte sich eine immer weiter um sich greifende Kommerzialisierung des Sports durch. Ohne Geld läuft manchmal gar nichts mehr, sehr zum Leidwesen des Breitensports und der Jugend. Der Staat zieht sich mangels leerer Kassen immer mehr aus seiner Verantwortung zurück. Wo doch eindeutig feststeht, dass in bundesweit über 84.000 Vereinen mit 240 verschiedenen angebotenen Sportarten das umfassende und von keiner anderen Institution erreichte Angebot an körperlicher Ertüchtigung steht. Somit sind die Sportvereine Stützpunkte einer allgemeinen Prävention gegen die von Bewegungsmangel mit verursachten Zivilisationskrankheiten.

Orte der Begegnung sind auch immer Orte der Integration von Ausländern und Randgruppen und wo findet dieses besser statt als in den Sportvereinen. Nicht zu vergessen der demokratische Aspekt, der von den Vereinen durch die Selbstorganisation ausgeht und die ehrenamtliche Tätigkeit von über 2,4 Millionen Bürgern. Mit einem Umsatz von 16,8 Milliarden DM jährlich erbringen die Sportvereinsmitglieder den größten wirtschaftlichen Anteil im organisierten Sport. Doch Sponsoring heißt das neue Schlagwort, wobei wir bei der Frage wären: "Was wird aus dem Sport in der Zukunft"? Den Vereinen geht die Luft aus, mit höheren Mitgliedsbeiträgen ist dieses Problem so einfach nicht zu lösen, zum anderen stoßen Krankenkassen und Volkshochschulen mit Sportangeboten auf den Plan und machen den Vereinen zusätzlich Konkurrenz. Die Berufsgenossenschaften haben ihre Beitragssätze als Folge der beachtlichen Leistungen an verletzte hochdotierte Profisportler drastisch angehoben ohne Berücksichtigung der Tatsache, dass Profisportler nur eine Minderheit auf der großen Bühne des Sports sind und die überwiegende Masse der Sportler in ihren Vereinen Breitensport betreiben. Wo soll das alles noch hinführen?

Erste Ansätze eines Umdenkens sind erkennbar, wenn auch noch nebulös. So werden bei den Politikern Überlegungen angestellt, den Sport in die Verfassung aufzunehmen und so als ein verbrieftes Recht zu verankern. Dann würden wir nicht immer nur als Bittsteller dastehen und hätten ein Anrecht auf Förderung. Und der runde Tisch beim Bundeskanzler mit Vertretern der Industrie und des Sports über die finanzielle Ausstattung der Sportorganisationen gibt zu Hoffnungen Anlass. Doch sich darauf zu verlassen wäre fatal, wird es hier doch sicherlich in erster Linie wieder um den Spitzensport gehen.